Träume der Nacht


Wach ich oder räum ich, es lässt mich ein Bild nicht los.
Habe ich es geträumt oder gelebt, so real steht es vor meinem inneren Auge.
Ein Traum oder Erinnerung an eine längst vergangene Zeit, ich weiß es nicht.

Leise streicht der Wind durch den einsamen Wald, streichelt die Bäume, liebkost das Getier umschmeichelt die schlafenden Blumen, singt leise sein ewiges Lied.
Kannst du er hören ?
Der Mond ist aufgegangen, so voll und hell. Er spiegelt sich in einem einsamen See. Es ist als wäre der See aus Silber gegossen, so klar und schön, wie man es in den heutigen Tagen nicht mehr findet. Nichts stört seine Ruhe in dieser Nacht, es ist die Nacht wo alles wahr werden könnte.
Kannst du ihn sehen, den See meiner Träume, so einsam und still ?
Es durchstreift eine einsame Gestalt den Wald, suchend, träumend, sehr still und voller Traurigkeit. Es ist eine Frau.
Was sucht diese Frau in tiefster Nacht in diesem Wald, was hat sie verloren, was will sie finden? Liebe ? Hoffnung ?
Unstet streift sie durch den Wald, bedacht niemanden in seinem Schlaf zu stören, es würde ihr wehtun. Sie geht den Pfad zu dem See aus gegossenem Silber, wird sie finden was sie sucht an diesem See?
Leise, ganz leise geht sie zu dem Ufer des Sees und hält inne. Wo ist sie, hat sie den See gesucht, es scheint fast so. Es ist ihr, als ob sie angekommen ist, nach Hause gekommen ist nach einer unendlichen Reise.
Sie steht still und aufrecht am Ufer, der Mond und der Wind spielen in ihrem Haar. Sie gehört hier her, in diese Stille und Einsamkeit. Sie will nicht mehr zurück in unsere Welt, dort wo alles nichts mehr gilt, nur noch Geld und Macht. Aber kann sie für immer entfliehen ? Kann sie bleiben ? Sie könnte schon, nur was soll ihr dieser Ort voller Schönheit und Ruhe, wenn sie ihn nicht mit jemanden teilen darf.
Die Wölfe der Nacht werden zu ihren Gefährten. Das Rudel bildet einen Kreis um die Frau, bedacht niemanden an sie heran zu lassen, solange sie es wünscht.
Nur die Wölfe der Nacht sind keine guten Gefährten für sie, sie beschützen sie nur, so lange sie selber noch innerlich stark ist, so lange sie spüren das noch Hoffnung in ihr ist.
Aber wenn die Hoffnung versiegt, dann wenden sich die Wölfe gegen sie. Sie werden sie töten, und dann wird auch sie zu einem Wolf der Nacht.
Solange sie noch Hoffnung hat, können sie ihr nichts anhaben, solange müssen sie sie beschützen.
Aber auch die Wölfe der Nacht wünschen etwas, darum beschützen sie sie solange sie noch Hoffnung hat. Liebe ist das was sie wünschen, denn die Wölfe der Nacht sind die enttäuschten Seelen dieser Welt, enttäuscht von der Liebe ohne jede Hoffnung. Wird es jemanden geben der die Frau am See findet, und den Funken der Liebe entfacht, die Hoffnung stärkt.
Oder findet sie ihre Liebe bei den Wölfen, muss sie erst zum Wolf werden um den zu finden den sie sucht? Oder erkennt sie den Wolf im Rudel und kann sein Vertrauen erlangen ?
Erkennt sie ihn? Ist sie stark genug? Kann sie den Bann durchbrechen?
Sie ist so voller Traurigkeit und Schmerz, aber noch lebt die Hoffnung.
Wie lange noch? Oder wird sie freiwillig den Weg zu den Wölfen gehen, daran denke muss sie schon, hier in dieser einsamen Nacht.
Die Hoffnung aufgeben, die Liebe aufgeben und zu einem Geschöpf der Nacht werden, soll das wirklich ihr Weg sein.
Gehen alle Menschen die noch zu wahrer Liebe fähig sind diesen Weg?
Gehören solche Menschen einfach nicht in diese Welt mehr, sind sie zu Gestalten der Mythen und Legenden geworden. Ist Liebe für die heutigen Menschen nur noch ein Märchen aus längst vergangenen Tagen? Manchmal erscheint es so. Aber wo die Liebe stirbt, stirbt alles andere auch.
Wünschen wir der einsamen Frau, das sie das findet was sie sucht.
Ihn findet in der Dunkelheit der Nacht, bei den Wölfen. Denn davon bin ich überzeugt das er bei den Wölfen zu finden ist.